Schulprogramm
„Dreierlei scheint uns wichtig:
Erstens, die Fähigkeit zu entwickeln, mit den Augen der anderen zu sehen. Das konnte Alfred Grosser als Historiker und Politikwissenschaftler, indem er den Franzosen Deutschland und den Deutschen Frankreich wie kein zweiter nahebrachte. Er vermochte zu erklären, wie Land und Leute ‚ticken‘ mit all ihren jeweiligen Stärken und Schwächen.
Zweitens: Ihm ging es um Erziehung zur Demokratie. Nicht als Zeigefingerpädagogik, sondern als Aufklärung; als Befähigung zu Freiheit, Humanität, Toleranz und Selbstkritik; möglichst nicht moralinsauer, sondern mit Zuversicht und einem Schuss unerschütterlichem Optimismus.
Ein Drittes verbinde ich mit dem Namen Alfred Grosser als sein Vermächtnis und als Auftrag an sie, die Lehrerinnen und Lehrer nicht weniger als die Schülerinnen und Schüler. Seine kritische Zeitgenossenschaft. Sich einmischen, Verantwortung übernehmen, für seine Haltung einstehen, auch wenn es mal unbequem wird und man zwischen den Stühlen sitzt, auch dafür steht der Name Alfred Grosser.“
Prof. em. Dr. Ulrich Sarcinelli bei der Gedenkfeier zum Tod von Alfred Grosser 2024 zum Vermächtnis für unsere Schulgemeinschaft„Sich selbst aufbauen, indem man anderen hilft, sich
aufzubauen: Gibt es eine schönere Lebensaufgabe, jenseits,
aber doch mit Hilfe aller schulischen Anforderungen? Jedenfalls
sehe ich es so und wage es, Euch meine Losungen zu
verkünden: ‚Immer zufrieden sein. Sich nie zufriedengeben‘.
‚Vernunft und Wärme‘.“
Leitgedanken
Der Respekt gegenüber dem Menschen, mit dem Grundsatz, dass sich der Einzelne in seiner Individualität entfalten kann, ist oberstes Leitziel unserer Schulgemeinschaft.
Wir legen Wert auf Weltoffenheit, freiheitliches Denken, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Kritikfähigkeit, friedliches Zusammenleben, Verantwortungsbewusstsein, Toleranz, Zivilcourage und Empathie.
In diesem Sinne unterstützt die Schule die Eltern, bei ihrem Erziehungsauftrag. Durch die gemeinsame Gestaltung des Schullebens fördern wir die Identifikation aller mit unserer Schule.
Als Schule, die sich durch ihre regionale Identifikation und Nähe zu Frankreich auszeichnet, halten wir die Europaidee sowie kosmopolitisches Denken und Handeln hoch und unterstützen unsere Schüler dabei, sich in einer globalisierten Welt zu orientieren.
Schülergedanken
Als gute Schule bezeichnen wir Schülerinnen und Schüler eine Schule, die gleichermaßen Leistung fordert, uns aber auch fördert – eine Schule, zu der du gerne gehst, weil sie dir Wissen und Werte vermitteln kann und deine persönlichen Interessen nicht in den Hintergrund stellt. Gute Schule ist, wenn individuelle Talente gefördert und gewürdigt werden, um die persönliche Entfaltung der Schüler zu unterstützen und sie für die berufliche Zukunft und das Leben zu wappnen. Gute Schule fördert das Sozialleben, ob im Klassen- oder Kursverbund, und Probleme, ob schulisch oder familiär, werden angesprochen … und unsere Schule ist eine gute Schule.
Elterngedanken
Eine gute Schule steht hinter ihren Schülerinnen und Schülern an der Seite der Eltern, , mit Respekt, Offenheit und Empathie, gemeinsam getragen von dem Wunsch, unsere Kinder auf die Herausforderungen des Lebens vorzubereiten.
Leben an unserer Schule
Den Idealen unserer Schule wird durch eine Vielfalt von Unterrichtsthemen, Projekten und Arbeitsgemeinschaften Rechnung getragen.
Kooperation
Aufgrund der Kooperation mit der Realschule plus sind sowohl eine hohe Flexibilität bezüglich der persönlichen Schullaufbahn als auch ein konstantes soziales Gefüge durch den Verbleib der Schüler in ihrem gewohnten Umfeld gewährleistet.
Unsere Gemeinsame Orientierungsstufe zeichnet sich dadurch aus, dass sie für Kinder mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten offen ist. Das Angebot entsprechender Klassen (Französisch, Naturwissenschaftlich, Gesang und Bläser) mit zusätzlichen Unterrichtsstunden ermöglicht eine individuelle Schwerpunktsetzung gemäß den Begabungen und Neigungen jedes einzelnen Kindes.
Dies erleichtert pädagogische Zusammenarbeit unterschiedlicher Kollegien verschiedener Schulformen, jedes Kind entsprechend seiner Stärken und Schwächen individuell auf unterschiedlichen Niveaus zu fordern und zu fördern. Dazu trägt auch das breite kooperative AG-Angebot bei.
Der gymnasiale Weg
Wir stärken im Sinne einer ganzheitlichen Bildung die vielfältig angelegten Talente unserer Schülerinnen und Schüler durch besondere Angebote im sprachlichen, mathematisch-naturwissenschaftlichen, musisch-künstlerischen, gesellschaftswissenschaftlichen und sportlichen Bereich.
Sprachen
Wir fördern die Sprachkompetenz unserer Schülerinnen und Schüler unter Einsatz von aktuellen Kommunikationsmitteln, regelmäßiger Durchführung von Schülerbegegnungen und erfolgreicher Teilnahme an Sprachwettbewerbe .
Es besteht die Möglichkeit, sowohl Englisch als auch Französisch als erste Fremdsprache zu wählen.
Insbesondere bieten wir als eine der ersten und wenigen Schulen auf Bundesebene an, das deutsche und gleichzeitig das französische Abitur (AbiBac) als Doppelqualifikation zu erwerben.
Mit der Wahl des bilingualen Zweiges ab der 7. Klasse, durch zusätzlichen deutsch-französischen Unterricht in Erdkunde und Geschichte, wird der Erwerb des AbiBacs bzw. des Exzellenzlabels „CertiLingua“ in der Oberstufe vorbereitet.
Schüler mit einem qualifizierten Sekundarabschluss I („Mittlere Reife“) ohne zweite Fremdsprache, die unsere Oberstufe besuchen möchten, erwerben in einem neu einsetzenden Spanischkurs die benötigten Sprachkenntnisse.
Latein und Spanisch als 3. Fremdsprachen leisten einen wichtigen Beitrag zur Sprachkompetenz unserer Schülerinnen und Schüler. Es können das Latinum und durch Zusatzprüfung das Große Latinum erworben werden.
MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik
Die Naturwissenschaften genießen an unserer Schule einen sehr hohen Stellenwert. Seit dem Schuljahr 2018/19 tragen wir daher das Zertifikat „ MINT-freundliche Schule “. Dieser Titel macht uns nicht nur innerhalb der Schulgemeinschaft und gegenüber Unternehmen sichtbar, sondern steht zugleich für die Anerkennung und besondere Unterstützung durch die Wirtschaft. Um die Auszeichnung weiterhin führen zu dürfen, durchläuft unsere Schule alle drei Jahre einen anspruchsvollen Bewerbungsprozess.
Darüber hinaus sind wir berechtigt, am Ende der 10. Klasse das sogenannte MINT-Zertifikat an Schülerinnen und Schüler zu vergeben, die im Verlauf der Orientierungs- und Mittelstufe besondere Zusatzleistungen im MINT-Bereich erbracht haben. Dazu zählen unter anderem die Teilnahme an MINT-AGs, für die unsere Schule ein vielfältiges Angebot bereithält, wie beispielsweise „ Jugend forscht “ oder „ IT-Scouts “. Die Mitarbeit in diesen AGs kann zudem auf eine erfolgreiche Teilnahme an entsprechenden MINT-Wettbewerben vorbereiten. Hierzu gehören etwa der Regionalwettbewerb „Jugend forscht“, der Landeswettbewerb „ First Lego League “, „ Mathématique sans frontières “, der „ Matheolympiade “ sowie der „ Informatik-Biber “.
Ein stark schülerorientierter und experimenteller Unterricht wird durch die moderne Ausstattung der Fachräume sowie durch ein breites Angebot an Schülerexperimenten in allen Klassenstufen ermöglicht. Darüber hinaus verfügt unsere Schule über einen Schulgarten, in dem die Schülerinnen und Schüler Natur unmittelbar erleben und den Gedanken der Nachhaltigkeit praktisch umsetzen können. Zudem bieten wir in der 5. Klasse die Möglichkeit, eine NAWI-Schwerpunktklasse zu besuchen, und ermöglichen es seit vielen Jahren – als eine der ersten Schulen in Rheinland-Pfalz –, in der Oberstufe das Grundfach Informatik zu belegen.
Ein weiteres Highlight, das seit einigen Jahren erfolgreich an unserer Schule etabliert ist, ist der MINT-Tag. Hierzu laden wir Vertreterinnen und Vertreter regionaler Betriebe sowie von Hochschulen und Universitäten nach Bad Bergzabern ein. Sie begeistern die Schülerinnen und Schüler durch theoretische und praktische Einblicke für MINT-Berufe und stehen insbesondere den Jahrgangsstufen 10 und 11 für Fragen zur Verfügung. In den vergangenen Jahren konnten wir dabei auf die große Unterstützung zahlreicher externer Partner zählen.
Gesellschaftswissenschaften
Die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer Sozialkunde, Erdkunde und Geschichte leisten einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung des Schulprofils. Sie fördern weltoffene, verantwortungsbewusste und urteilsfähige Persönlichkeiten.
Gemeinsam fördern die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer Demokratie und Menschenrechte, europäisches Lernen, Erinnerungskultur, nachhaltiges Denken sowie Multiperspektivität und Kritikfähigkeit. Durch Unterricht, Projekte, Exkursionen und internationale Kooperation leisten sie damit einen wichtigen Beitrag zur pädagogischen Identität der Schule.
Kunst, Musik, Darstellendes Spiel und Sport
Der Bedeutung des musischen Bereichs für die Ausbildung der Gesamtpersönlichkeit wird in vielerlei Projektangeboten im besonderen Maße Rechnung getragen.
Das in der GOS begonnene klassenweise Musizieren kann im regulären Musikunterricht bis in Klasse 9 fortgeführt werden. Das Fach Darstellendes Spiel kann ab dem Schuljahr 2026/27 in der Oberstufe im künstlerisch-musischen Bereich als Grundkurs belegt werden. Ergänzende bzw. weiterführende Arbeitsgemeinschaften fördern die musisch-künstlerischen Begabungen in Big Band, Chor, projektbezogenen Instrumentalensembles, Orchester, Kunst und Theater. .
Die Ergebnisse werden regelmäßig in Konzerten, Aufführungen, Musicalproduktionen und Ausstellungen präsentiert.
Im sportlichen Bereich trägt die Kooperation von „Schule und Verein“ zu zahlreichen Erfolgen bei „ Jugend trainiert für Olympia “ bei.
Methoden und Medien
Entsprechend eines vom Kollegium entwickelten Methodencurriculums werden die Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 mit verschiedenen Lern- und Arbeitsmethoden sowie Sozialformen vertraut gemacht. Dies geht Hand in Hand mit der Erziehung der Schülerinnen und Schüler zu einem bewussten, sinnvollen, kritischen und reflektierten Medieneinsatz.
Das Medienkonzept der Schule und damit auch die Ausstattung werden den veränderten Anforderungen der Arbeitswelt sowie den technischen Innovationen und Entwicklungen entsprechend immer wieder aktualisiert und angepasst. Dabei werden Aspekte wie Zweckmäßigkeit und Nachhaltigkeit besonders berücksichtigt.
Prävention
Um die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und für die Zukunft stark zu machen, wurde gemeinsam mit Schülervertretern ein Präventionskonzept für jede Jahrgangsstufe zu den Themen Sozialkompetenz, Ursachen und Entstehung von Suchtverhalten sowie Resilienzentwicklung ausgearbeitet und umgesetzt.
Schutzkonzept
Das Ziel unseres Schutzkonzeptes ist es, einerseits sexualisierte Gewalt präventiv zu verhindern und andererseits im Verdachtsfall allen Beteiligten unseres Schullebens Schutz und Unterstützung zu bieten.
Berufsorientierung
In unserer Schule gab es auch vor der Kampagne „Zukunft läuft“ des Ministeriums ein für ein Gymnasium sehr weitgehendes Konzept zur Berufs- und Studienorientierung . Schwerpunkte liegen hier in den Klassen 9, 11 und 12, die als Scharniere für die Berufsorientierung gesehen werden können.
Soziale und Politische Bildung
Das soziale und politische Engagement unserer Schülerinnen und Schüler wird auch außerhalb des Unterrichts unter anderem durch Wettbewerbe wie Jugend debattiert und Projekte im Rahmen von „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ gefördert.
Europa
Unsere Schule ist besonders aktiv in der Europaarbeit: Dies zeigt sich durch die Zertifizierung als „Europaschule des Landes Rheinland-Pfalz“, als „Botschafterschule des Europäischen Parlaments“ und als Erasmus-Schule – regelmäßig führt die Schule Demokratietage und Erasmus-Projekte mit europäischen Partnern durch, so aktuell mit unseren Nachbarn in Frankreich, Spanien, Polen, Norwegen und Griechenland.
Schlussgedanken
Liebe Schulgemeinschaft, liebe Interessierte, Freunde, Weggefährten, liebe Neugierige:
Nach vielen Gesprächen mit Eltern, Schülern und Lehrern, einem Studientag sowie Schülertreffen mit Schulnamensgeber Alfred Grosser und ehem. Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig zum Thema „Gute Schule“ ist es nun gemeinsam geschafft, greifbar und spürbar: eine Aktualisierung unserer Grundgedanken, unserer Axiome für unsere gute Schule. Die Grundlage unserer Arbeit miteinander, der Kompass für unser Zusammenleben vor Ort, die gelebten und erfahrbaren Dreh- und Angelpunkte unserer gemeinsamen Ziele und Wünsche. Ich danke allen Beteiligten sehr herzlich für die vielen gemeinsamen Stunden im Ringen um stets Besseres, gemeinsam geloben wir Aktualisierung und Evaluation. Wir folgen den Grosser´schen Worten in der Einleitung und schenken ihnen neues Leben: Wir geben uns nicht zufrieden; wir wachsen, indem wir andere wachsen lassen und – „Vernunft und Wärme“ bedeuten uns Hoffnung. Und wo, wenn nicht an einer Schule, unserer Schule kann, wird das alles greifen, in sinnstiftendem Austausch, in wegweisenden Begegnungen?
In diesem Geist und Sinn,
Ihr & Euer
Pete Allmann, OStD, Schulleiter
Bad Bergzabern, am 09. April 2019
Kurz vor seinem Tod gab uns der Gründungsschulleiter Dr. Klaus Hörner zur Feier von 500 Jahren unserer Schule mit auf den Weg, er wünsche sich …
„… den Geist, der im Jugendlichen, im Schüler, in der Schülerin, vor allem den Menschen sieht und fördert.“
Nach 10 Jahren also und den vielen wegweisenden, vielversprechenden, sinnstiftenden Begegnungen im Jubiläumsjahr und im Bewusstsein des großen Erbes gilt noch immer: Empathie ist der Schlüssel zur Zukunft unserer uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler.
Pete Allmann (Schulleiter) und die Schulgemeinschaft des Gymnasiums Bad Bergzabern
am 21. April 2026 – im 501. Jahr unseres Bestehens




