{"id":9584,"date":"2021-04-27T20:46:01","date_gmt":"2021-04-27T18:46:01","guid":{"rendered":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/?p=9584"},"modified":"2021-04-27T20:48:03","modified_gmt":"2021-04-27T18:48:03","slug":"meet-a-jew","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/2021\/04\/27\/meet-a-jew\/","title":{"rendered":"Meet a Jew"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-9585 alignleft\" src=\"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/maj-300x300.png\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"250\" \/><em>\u201eUnd wir waren zu besch\u00e4ftigt <\/em><br \/>\n<em>Stolz zu sein auf die Erinnerungskultur\u201c<\/em><br \/>\n(Max Herre in seinem Lied: \u201eDunkles Kapitel\u201c)<\/p>\n<p><strong>Corona er\u00f6ffnet Welten!<\/strong><br \/>\nWer h\u00e4tte das in einer Zeit des Lockdowns gedacht, in der wir uns alle zur\u00fcckziehen auf uns selbst!<br \/>\nMit dem Projekt \u201eMeet a Jew\u201c haben zwei Ethik-Klassen\/Kurse von Frau Kliewer im M\u00e4rz 2021 Gespr\u00e4che mit jungen J\u00fcdinnen und Juden gef\u00fchrt \u2013 digital und trotzdem ganz pers\u00f6nlich.<br \/>\nDas ist auf jeden Fall ein Format, das sich auch f\u00fcr andere Klassen\/Kursen anbietet.<\/p>\n<p>Zwei Sch\u00fclerInnen der beiden Gruppen haben hinterher zur\u00fcckgeschrieben:<\/p>\n<p><em>Liebe Meet a Jew &#8211; Gruppe,<\/em><br \/>\n<em>Als allererstes w\u00fcrde ich mich gerne bei euch allen herzlich daf\u00fcr bedanken, dass ihr euch die Zeit genommen habt, um uns euren Alltag als Juden in Deutschland n\u00e4her zu bringen. Ich pers\u00f6nlich habe davor noch nie mit Juden geredet und kannte sie nur aus Geschichtsb\u00fcchern und Dokumentationen. Wenn ich davor an Juden gedacht habe, hatte ich sofort das Bild von einem streng religi\u00f6sen Mann mit Kippa im Kopf. Deswegen war ich auch ein wenig \u00fcberrascht, als da pl\u00f6tzlich so sympathische, junge Leute in der Videokonferenz waren, die auch keineswegs engstirnig gewirkten.<\/em><br \/>\n<em>Klar wusste ich davor schon, dass es auch viele junge Juden gibt. Aber es hat mich dann doch ein wenig geschockt, dass ihr ganz anders wart als ich mir euch vorgestellt habe. Und genau deshalb mag ich euer Projekt auch sehr, da man reale Menschen trifft und anstatt \u00fcber die Juden mit ihnen spricht.<\/em><!--more--><br \/>\n<em>Ich verbinde Religion oft eher mit Verzicht als mit Erf\u00fcllung, tendiere dazu Religion mehr mit Eindimensionalit\u00e4t zu verbinden als mit Weltoffenheit und wurde schon \u00f6fter wegen meiner Sexualit\u00e4t von religi\u00f6sen Menschen diskriminiert, was dazu gef\u00fchrt hat, dass es mir oft schwer f\u00e4llt religi\u00f6sen Menschen komplett vorurteilsfrei entgegenzutreten. Ihr habt es mir allerdings sehr leicht gemacht mich auf einen Dialog einzulassen. <\/em><br \/>\n<em>Ich fand besonders Gabriella sehr informativ, da es mich als \u00fcberzeugte Atheistin selbstverst\u00e4ndlich brennend interessiert weshalb jemand freiwillig religi\u00f6s wird.<\/em><br \/>\n<em>Ich hoffe, dass ihr noch mit vielen weiteren Klassen solche Begegnungen habt, da es vor neuen Vorurteilen sch\u00fctzt und bereits existierende abbaut. Vielleicht k\u00f6nnt ihr ja auch ein paar Schulen besuchen, wenn Corona irgendwann mal Geschichte ist. Ihr k\u00f6nntet eventuell auch versuchen, auf YouTube aktiver zu sein. Ihr habt zwar schon einen Kanal (Ich habe euch nat\u00fcrlich abonniert!) und ein paar Videos hochgeladen, aber ich f\u00e4nde es cool, wenn ihr regelm\u00e4\u00dfiger etwas hochladen k\u00f6nntet, weil ich euer Projekt eigentlich wirklich gerne weiterverfolgen w\u00fcrde und es mich freuen w\u00fcrde, wenn noch mehr Leute auf euch aufmerksam werden w\u00fcrden. Euer Projekt hat mir nicht nur geholfen, Vorurteile abzubauen. Es hat mir auch viel Neues \u00fcber eure Religion beigebracht. Davor wusste ich auch noch nicht so viel dar\u00fcber was das Judentum auszeichnet und das was ich wusste, wusste ich vom Ethik-Unterricht. Dort haben wir vor einigen Wochen angefangen, zum Thema Antisemitismus zu arbeiten, was mir zwar auch mehr \u00fcber das Judentum beigebracht hat, aber es ist selbstverst\u00e4ndlich noch einmal etwas anderes, wenn man den Leuten auf der anderen Seite des Bildschirms gegen\u00fcbersitzt und auch Fragen stellen kann. Teilweise habe ich mich auch nicht getraut euch gewisse Fragen zu stellen, da ich Angst hatte in ein Fettn\u00e4pfchen zu treten. Aber jetzt wei\u00df ich selbst, dass diese Angst unbegr\u00fcndet war. Nochmals Dankesch\u00f6n f\u00fcr die Erfahrung!<\/em><br \/>\n<em>Ich hoffe ihr macht so weiter!<\/em><\/p>\n<p><em>Sehr geehrte Veranstalter*innen von \u201eMeet a Jew\u201c,<\/em><\/p>\n<p><em>Zuallererst m\u00f6chte ich mich bei euch f\u00fcr eure ausgesprochene Offenheit bedanken. Ich sehe es eigentlich als etwas traurig an, dass ihr uns \u00fcber das j\u00fcdische Leben aufkl\u00e4ren m\u00fcsst, da dies eigentlich nicht eure Aufgabe sein sollte. Eigentlich sollten wir mehr Eigeninitiative ergreifen und uns auch selbstst\u00e4ndig mehr und intensiver mit dem Judentum befassen. Oftmals f\u00e4llt es uns schwer, Themen, welche man mit Sensibilit\u00e4t angehen sollte, anzusprechen. Dieses Gef\u00fchl hatte ich bei unserer Begegnung \u00fcberhaupt nicht. Wir Sch\u00fcler haben uns getraut, bestimmte Dinge zu thematisieren, da ihr einen gesch\u00fctzten Raum geschaffen habt! <\/em><br \/>\n<em>Mir sind durch den Austausch einige Dinge klarer geworden: <\/em><br \/>\n<em>Von unserem Gespr\u00e4ch habe ich wahrscheinlich eine ausf\u00fchrliche Auseinandersetzung mit dem Holocaust erwartet und wie es sich f\u00fcr euch anf\u00fchlen muss, in demselben Land zu leben, in dem die vermutlich grausamste Tat der Geschichte stattgefunden hat. <\/em><br \/>\n<em>Jedoch habe ich im Nachhinein verstanden, dass wir dadurch wieder mal das j\u00fcdische Leben lediglich in eine Opferrolle stecken w\u00fcrden und uns gar nicht mit der Kultur, welche so vielf\u00e4ltig und facettenreich ist, besch\u00e4ftigen w\u00fcrden. Das ist bestimmt auch der Grund, weshalb sich in einem Gespr\u00e4ch mit Juden manchmal eine Art Verkrampftheit entwickeln kann. Hinzu kommt, dass ihr nicht die Opfer seid und sicherlich nicht immer nur darauf reduziert oder damit in Verbindung gebracht werden wollt. Deshalb war es umso interessanter, dass wir die M\u00f6glichkeit hatten, alles aus einem neuen Blickwinkel betrachten zu k\u00f6nnen. Damit meine ich: Was macht das Judentum so besonders? Was waren Beweggr\u00fcnde f\u00fcr einen \u00dcbertritt? Wie lebt ihr euren Alltag? <\/em><br \/>\n<em>Besonders hat mich die Freiheit im Judentum beeindruckt. Ich empfinde es als etwas wirklich Lobenswertes, dass dem Einzelnen die Entscheidung \u00fcberlassen wird, bis zu welchem Grad er seinen Glauben ausleben m\u00f6chte. Denn ich verbinde Religion oftmals mit Zw\u00e4ngen, Bestrafung und S\u00fcnde, weshalb ich mich auch als Atheistin sehe. Das Prinzip der freien Entscheidung, ohne negative Konsequenzen, ist f\u00fcr mich \u00e4u\u00dferst progressiv, was man zum Beispiel vom Christentum nicht immer behaupten kann. <\/em><br \/>\n<em>In dem Lied \u201eDunkles Kapitel\u201c von Max Herre gibt es eine Zeile, welche ich mit euren Antworten assoziiere: \u201eUnd wir waren zu besch\u00e4ftigt, stolz zu sein auf die Erinnerungskultur\u201c. Ich habe oftmals das Gef\u00fchl, dass immer noch die Augen verschlossen werden, wenn es um strukturellen, sozialen oder politischen Antisemitismus geht. Das beginnt schon im Alltag eines Sch\u00fclers, wenn diesem verboten wird, die Kippa im Unterricht zu tragen. Stattdessen klopft man sich auf die Schulter, wenn es einen Thementag gibt oder wenn in einer Stadt Stolpersteine verlegt werden. Nat\u00fcrlich ist das eine wirklich sch\u00f6ne Idee, jedoch darf die Arbeit nicht dort enden. Viele Menschen haben das Gef\u00fchl, dass das Thema mittlerweile \u201evom Tisch ist\u201c, aber das k\u00f6nnen lediglich die Betroffenen beurteilen und da ist die eindeutige Antwort: Nein. J\u00fcdisches Leben existiert doch offensichtlich nicht nur in Festjahren wie jetzt, wo man \u201e1700 Jahre Juden in Deutschland\u201c feiert. Mir war, um ehrlich zu sein, nicht bewusst, wie sehr unser Land Best\u00e4tigung sucht und in gewisser Weise Komplexe hat. Dies zeigt mal wieder, dass Deutschland definitiv ein Problem mit der Aufarbeitung hat und noch viel Arbeit vor uns liegt. Diesbez\u00fcglich stelle ich mir auch noch eine Frage, welche sich dann leider doch auf die Shoah bezieht: Zurzeit gibt es ja noch \u00dcberlebende des Holocausts, welche \u00fcber ihre Erfahrungen berichten k\u00f6nnen. Glaubt ihr, dass sich die Aufkl\u00e4rungsarbeit erschweren wird, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt und es infolgedessen beispielsweise Leugner einfacher haben werden, ihre Ideologien zu verbreiten? In Zeiten von Verschw\u00f6rungstheoretikern und inakzeptablen Parteien, wie beispielsweise der AfD oder der NPD ist es umso wichtiger, sich intensiv mit verschiedenen Minderheiten zu besch\u00e4ftigen und sich gegen die Hetze durchzusetzen. Mich hat es sehr geschockt, als gesagt wurde, dass es f\u00fcr eine Person ein Vorteil sein kann, nicht j\u00fcdisch auszusehen. Das ist nat\u00fcrlich nachvollziehbar, aber genauso bedr\u00fcckend zugleich. Nicht in der Lage zu sein, sich mit seinem Aussehen wohlf\u00fchlen zu k\u00f6nnen, aus Angst vor unangebrachten Bemerkungen oder gar Angriffen stelle ich mir als \u00e4u\u00dferst deprimierend und ersch\u00fctternd vor. Ich w\u00fcnsche mir wirklich so sehr, dass unsere Gesellschaft respektvoll, tolerant, aufgeschlossen, verst\u00e4ndnisvoll, einsichtig und einf\u00fchlsam wird. <\/em><br \/>\n<em>Zuletzt w\u00fcrde ich noch gerne auf die Frage der Schuld eingehen. Ich fand es \u00e4u\u00dferst interessant und inspirierend, als im Gespr\u00e4ch erw\u00e4hnt wurde, dass wir auch mal in uns selbst hineinhorchen sollten, um unser \u201einneres Monster\u201c zu finden und es zu identifizieren. Auch ich habe mir schon oft die Frage gestellt, was ich wohl damals getan h\u00e4tte. H\u00f6chstwahrscheinlich h\u00e4tte ich mich in der NS-Zeit auch dem Regime gebeugt, was mich zwar schockiert, aber wie in unserem Gespr\u00e4ch erw\u00e4hnt wurde, passiert in China zurzeit auch ein Genozid an den Uiguren und keiner schreitet ein. \u201eWillkommen in der neuen alten Zeit!\u201c hei\u00dft es bei Max Herre weiter. Deshalb sehe ich mich nicht in der Position, die Menschen zu verurteilen. Heute schaue auch ich mehr oder weniger tatenlos zu.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit dem Projekt \u201eMeet a Jew\u201c, wird schon einmal ein gro\u00dfer Beitrag geleistet, der uns einen Schritt n\u00e4her zu einer besseren Gesellschaft f\u00fchrt. Umso sch\u00f6ner war es, dass der Austausch mit euch jungen Erwachsenen stattgefunden hat. Dies hat es wahrscheinlich erleichtert, sich mit euch zu identifizieren und Fragen zu stellen. Ich w\u00fcrde dieses Angebot sicherlich weiterempfehlen, da man nicht oft die M\u00f6glichkeit bekommt, so konkrete Antworten zu erhalten und in so einen offenen Austausch zu kommen, vor allem nicht in Corona-Zeiten. <\/em><br \/>\n<em>Ich w\u00fcnsche euch allen nur das Beste und weiterhin viel Erfolg mit \u201eMeet a Jew\u201c und w\u00fcrde mich nat\u00fcrlich \u00fcber eine Antwort freuen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eUnd wir waren zu besch\u00e4ftigt Stolz zu sein auf die Erinnerungskultur\u201c (Max Herre in seinem Lied: \u201eDunkles Kapitel\u201c) Corona er\u00f6ffnet Welten! Wer h\u00e4tte das in einer Zeit des Lockdowns gedacht, in der wir uns alle zur\u00fcckziehen auf uns selbst! Mit dem Projekt \u201eMeet a Jew\u201c haben zwei Ethik-Klassen\/Kurse von Frau Kliewer im M\u00e4rz 2021 Gespr\u00e4che&#8230;<\/p>\n<p class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/2021\/04\/27\/meet-a-jew\/\" class=\"\"><span>Weiterlesen<\/span><i>&#43;<\/i><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-9584","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9584","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9584"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9584\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9589,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9584\/revisions\/9589"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}