{"id":4402,"date":"2017-06-04T08:29:45","date_gmt":"2017-06-04T06:29:45","guid":{"rendered":"http:\/\/schulebza.de\/gymnasiumneu\/2017\/06\/04\/ich-finde-nicht-dass-religionen-allzu-viel-frieden-bringen\/"},"modified":"2017-06-04T08:29:45","modified_gmt":"2017-06-04T06:29:45","slug":"ich-finde-nicht-dass-religionen-allzu-viel-frieden-bringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/2017\/06\/04\/ich-finde-nicht-dass-religionen-allzu-viel-frieden-bringen\/","title":{"rendered":"\u201eIch finde nicht, dass Religionen allzu viel Frieden bringen\u201c"},"content":{"rendered":"<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\"><br \/>\u201eViel Grausames gibt es, am grausamsten ist der Mensch&#8220;, riefen die Schauspieler der Theater-AG des Gymnasiums in der Aula des Alfred-Grosser-Schulzentrums. Sie zitierten aus der \u201eAntigone&#8220; des antiken Dichters Sophokles anl\u00e4sslich des Besuchs von Professor Alfred Grosser. Der 92-J\u00e4hrige stellte an diesem 23. Mai in Bad Bergzabern sein neues Buch \u201eLe Mensch&#8220; vor. Entgegen den Bef\u00fcrchtungen des Sophokles wolle er das \u201eMenschwerden beg\u00fcnstigen. Das ist eine Aufgabe, die im Widerspruch steht zur Verzweiflung an der Welt&#8220;, so Alfred Grosser. \u201eWeltoffen und frei&#8220; solle man dazu werden, zitierte der Schulleiter des Gymnasiums im Alfred-Grosser-Schulzentrum Bad Bergzabern Pete Allmann an diesem Abend den Gast. Dazu aber, so Grosser, m\u00fcsse man sich bewusst werden \u00fcber die eigenen Identit\u00e4ten. \u201eIch habe wie alle verschiedene Identit\u00e4ten: Ich bin zum Beispiel ein Mann. Das gibt mir schon mal viele Vorteile. Au\u00dferdem bin ich Pariser. Auch das hat in Frankreich viele Vorteile&#8220;, so Grosser. Man m\u00fcsse aber Distanz zu den eigenen Zugeh\u00f6rigkeiten haben, um das Leiden der anderen zu verstehen. \u201eWeil ich Jude bin, aber Distanz dazu einnehme, verstehe ich zum Beispiel das Leiden der Pal\u00e4stinenser&#8220;, so Alfred Grosser. <br \/>Distanz nahm der Namensgeber in seinem Schulzentrum auch zu seiner Herkunft aus Frankfurt. Er berichtete im Laufe des Abends kurz, wie er als j\u00fcdischer Sch\u00fcler in Frankfurt verpr\u00fcgelt wurde und wie er nach der Flucht nach Frankreich in den 1930er-Jahren in Frankreich gleich als Franzose begr\u00fc\u00dft worden sei. Er hasse es, als \u201eDeutsch-Franzose&#8220; betitelt zu werden. \u201eIch bin Franzose!&#8220;, betonte er auch an diesem Abend Ende Mai in Bad Bergzabern. Dennoch habe er gleich nach dem Krieg die Zusammenarbeit mit Deutschen gesucht. \u201eWir haben gesagt: Es gibt nicht die Deutschen und deshalb wir haben mit deutschen Widerst\u00e4ndlern zusammengearbeitet&#8220;, erz\u00e4hlte Alfred Grosser.<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Alfred Grosser blickte immer wieder erfreut auf die B\u00fchne, wo Gruppen des Gymnasiums Musik, Theater und Kunst boten: Das Streichorchester unter Leitung von B\u00e4rbel Rohde, die Theater-AG unter Leitung von Berthold Blaes, die Jazz-Combo unter Leitung von Theodor Schmidt, die Musical-AG unter Leitung von Christoph Bornschein sowie ein Kunstprojekt unter Leitung von Franz Leschinger. Alle wurden unterst\u00fctzt von der Licht- und Ton-AG unter Leitung von Sven Scheidner.<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div><img decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-4401\" style=\"display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;\" src=\"http:\/\/schulebza.de\/gymnasiumneu\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Grosser_17.jpg\" alt=\"Grosser 17\" width=\"640\" height=\"324\" srcset=\"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Grosser_17.jpg 640w, https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Grosser_17-300x152.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/div>\n<p> <\/p>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Durch den Abend f\u00fchrten zwei Sch\u00fclerinnen der zw\u00f6lften Jahrgangsstufe: Maya Engel und Leah Stephan. Beide befragten Alfred Grosser zu wesentlichen Thesen seines Buches. Leah Stephan fragte den bekennenden Atheisten zum Beispiel: \u201eSie mussten aufgrund ihres Judentums aus Deutschland fliehen, haben ihre vier S\u00f6hne aber katholisch getauft. Gab es da nicht Momente, in denen Sie Ihre Identit\u00e4t hinterfragten?&#8220; Alfred Grosser antwortete: \u201eIch war immer mit Christen befreundet, aber ich meine echte Christen, nicht die CSU!&#8220; Ein guter Freund von ihm sei der M\u00fcnchner Kardinal Reinhard Marx. \u201eDennoch ist f\u00fcr mich der Tod das Ende!&#8220;<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Umso mehr versuche er in seinem Leben Menschen zu befreien. Maya Engel und Leah Stephan fragten weiter, warum sich seiner Meinung nach so viele Menschen zur Terrororganisation \u201eIslamischer Staat&#8220; bekennten. Alfred Grosser verwies zun\u00e4chst auf die katholische Kirche: \u201eZwischen dem 5. Jahrhundert und 1965 war die Toleranz keine katholische Tugend&#8220; und Karl der Gro\u00dfe habe im Namen der Religion mehr Sachsen t\u00f6ten lassen als der IS heute. Nat\u00fcrlich sei die katholische Kirche heute nicht mehr so, aber sie solle sich daran erinnern. Auch bei innermuslimischen Konflikten, zum Beispiel zwischen Sunniten und Schiiten gebe es viele Tote. Alfred Grosser schloss diesen Exkurs mit den Worten: \u201eIch finde nicht, dass Religionen allzu viel Frieden bringen!&#8220;<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Maya Engel fragte Alfred Grosser, ob es einen Unterschied zwischen normativer und eigener Identit\u00e4t gebe. Der Pariser antwortete, er sei nie in Parteien gewesen, weil dazu zu viel Selbstzensur n\u00f6tig gewesen w\u00e4re. Er lobte bei dieser Gelegenheit aber die Journalisten. Zwar gebe es keine Wahrheit, aber es gebe doch einen \u201eenormen Unterschied zwischen Journalisten, die versuchen, objektiv zu sein und denen, die das nicht versuchen&#8220;<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Ansonsten blieb Alfred Grosser seinem Motto treu, Unbequemes anzusprechen. \u201eIch sage in Frankreich B\u00f6ses \u00fcber Frankreich und Gutes \u00fcber Deutschland und umgekehrt. Er lobte zum Beispiel, dass in Frankreich niemand von \u201eMigrationshintergrund&#8220; spr\u00e4che. Er sei seit 1937, also seit seiner Emigration, Franzose. Sein neues Buch \u201eLe Mensch&#8220; solle zwei Dinge zeigen: \u201eErstens: Die Dinge sind kompliziert und zweitens: Am Schluss soll der Leser etwas mehr als freier Mensch dastehen&#8220;, so Alfred Grosser.<\/span><\/div>\n<p> <\/p>\n<div style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 8pt;\">Text: VOL,&nbsp;Fotos: BI<\/span><\/div>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Der 92-j\u00e4hrige Alfred Grosser stellte an \u201eseinem&#8220; Schulzentrum in Bad Bergzabern sein neues Buch \u201eLe Mensch&#8220; vor<\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[511],"tags":[],"class_list":["post-4402","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelle-berichte-ereignisse-aus-dem-schulleben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4402","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4402"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4402\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}