{"id":4215,"date":"2015-06-07T08:05:37","date_gmt":"2015-06-07T06:05:37","guid":{"rendered":"http:\/\/schulebza.de\/gymnasiumneu\/2015\/06\/07\/gymnasiasten-aus-bad-bergzabern-im-konzentrationslager-natzweiler-struthof\/"},"modified":"2015-06-07T08:05:37","modified_gmt":"2015-06-07T06:05:37","slug":"gymnasiasten-aus-bad-bergzabern-im-konzentrationslager-natzweiler-struthof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/2015\/06\/07\/gymnasiasten-aus-bad-bergzabern-im-konzentrationslager-natzweiler-struthof\/","title":{"rendered":"Gymnasiasten aus Bad Bergzabern im Konzentrationslager Natzweiler-Struthof"},"content":{"rendered":"<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\"><br \/>So vergleichsweise klein dieses Lager in rund 800 Metern H\u00f6he auf einem zugigen Berggipfel der Vogesen auch ist, so schrecklich sind dennoch die Verbrechen, die dort zwischen Mai 1941 und Novem-ber 1944 begangen wurden. Die mehr als hundert Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die auf zwei Termine verteilt diese KZ-Gedenkst\u00e4tte besuchten, erfuhren beim Rundgang durch das terrassenf\u00f6rmig am Berghang auf einer ehemaligen Skipiste angelegte Lager quasi aus erster Hand, was die dort inhaftierten Menschen erleiden mussten. Denn ein \u00dcberlebender, der holl\u00e4ndische Rechtsanwalt und Widerstandsk\u00e4mpfer Floris Bertold Bakels, hatte im Lager heimlich Tagebuch gef\u00fchrt und es 1977 in erweiterter Form als Buch ver\u00f6ffentlicht. Aus diesen Aufzeichnungen lasen die Jugendlichen vor Ort Textausz\u00fcge \u2013 am Lagerzaun, unter dem Galgen, am Krematorium, vor der Gaskammer \u2013 und erfuhren, wie grausam und gnadenlos hier gequ\u00e4lt, gefoltert und gemordet wurde. Man muss nicht nach Auschwitz fahren, um mit dem menschenverachtenden Verbrechen der SS-M\u00e4nner und -Frauen und den pseudowissenschaftlichen medizinischen Menschenversuchen sogenannter \u00c4rzte und Professoren konfrontiert zu werden.<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Die Betroffenheit der jungen Menschen, f\u00fcr die die Zeit des Nationalsozialismus weit entfernt ist, zeigte sich in der F\u00fclle der Fragen, die immer wieder gestellt wurden. Hinter vielen scheinbar sachlichen Fragen war das Entsetzen dar\u00fcber erkennbar, wie Menschen anderen Menschen so etwas antun k\u00f6nnen, sie am Galgen qualvoll ersticken, im Steinbruch von Hunden zerfleischen oder im Krematorium bei lebendigem Leibe verbrennen zu lassen. Oder sie einfach sich zu Tode schuften zu lassen &#8211; \u201eVernichtung durch Arbeit&#8220; hie\u00df das damals. \u201eWer bewusstlos zusammenbricht, wird auf ein kleines Plateau neben den Halden geworfen. Er arbeitet nicht, also wird er sp\u00e4ter auch nicht essen&#8220;, schreibt Bakels.<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Das Lager ist regelm\u00e4\u00dfig Ziel von Schulklassen aus Frankreich, aber auch aus dem benachbarten S\u00fcdwestdeutschland, wohin schon bald Tausende H\u00e4ftlinge zur Sklavenarbeit in R\u00fcstungsbetrieben geschickt wurden. Rund 90 solcher Au\u00dfenkommandos gab es in W\u00fcrttemberg und in Baden, einige wenige auch im Elsass, in Lothringen und an der Mosel.<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Seit mehr als zehn Jahren organisiert die Fachschaft Geschichte des Alfred-Grosser-Gymnasiums Bad Bergzabern diese Fahrt in die Vogesen, um einen wichtigen Aspekt der Geschichte des Nationalsozialismus anschaulich zu machen. Finanziell unterst\u00fctzt wurde die Schule dabei in diesem Jahr durch die \u00f6rtliche Sparkasse S\u00dcW sowie den F\u00f6rderverein des Gymnasiums. Ohne deren Unterst\u00fctzung w\u00e4ren diese so wichtigen KZ-Gedenkst\u00e4ttenfahrten nur schwer finanzierbar und daher in Frage gestellt.<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Der franz\u00f6sische Staat hat das ehemalige Lager zu einer Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die europ\u00e4ischen Widerstandsk\u00e4mpfer umgestaltet, denn hier waren vorwiegend politische Gegner aus den im Krieg von Deutschland besetzten L\u00e4ndern eingesperrt, u.a. die sog. \u201eNacht- und Nebel&#8220;-H\u00e4ftlinge, die nach Hitlers Willen spurlos verschwinden sollten. Natzweiler-Struthof ist eines der wenigen Konzentrationslager \u2013 nicht Vernichtungslager \u2013 au\u00dferhalb Deutschlands.<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Ein Mahnmal inmitten eines Friedhofs oberhalb des Lagers ehrt die Widerstands-\u00e4mpfer aus mehr als 30 Nationen, die hier inhaftiert waren oder gestorben sind. In einem Dokumentationszentrum wird an die gro\u00dfdeutschen Konzentrationslager sowie die Gettos und Vernichtungslager in Osteuropa erinnert. Mit gro\u00dfformatigen exemplarischen Bildern wird die NS-Zeit dargestellt, kurze Filme visualisieren das Thema zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<p><\/span><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">Im Steinbruch in der N\u00e4he des Lagers wurde roter Granit f\u00fcr Hitlers geplante Gro\u00dfbauten in Berlin gebrochen, sp\u00e4ter wurden hier Flugzeugmotoren montiert und repariert. Die Sandgrube oberhalb des Lagertors diente als Hinrichtungsst\u00e4tte u.a. f\u00fcr els\u00e4ssische Jugendliche, die den Dienst in der deutschen Wehrmacht verweigerten. Eine als Museum eingerichtete ehemalige Lagerbaracke erinnert an die H\u00e4ftlinge, veranschaulicht die Lebensumst\u00e4nde im Lager, erkl\u00e4rt die Umst\u00e4nde seiner Errichtung, seiner Evakuierung und Befreiung. Es war das erste Lager \u00fcberhaupt, das die Alliierten vor Kriegsende erreichten. Befreien konnten sie allerdings niemanden, denn im November 1944 waren die Insassen, soweit sie dazu noch in der Lage waren, auf den Todesmarsch nach Dachau geschickt worden. Die wenigsten \u00fcberlebten.<br \/><\/span><\/div>\n<p> <span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\"><br \/><\/span><\/span> <\/p>\n<div style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 8pt;\">ER, 5\/15<\/span><\/div>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\"><br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;\">\u201eIch f\u00fchle mich betroffen und sch\u00e4me mich f\u00fcr alles, was damals passiert ist und f\u00fcr jeden, der beteiligt war.&#8220; \u2013 \u201eIch frage mich, wie die beteiligten Menschen mit ihren Taten leben konnten.&#8220; \u2013 \u201eIch suche nach einer Antwort auf die Frage nach dem Warum und empfinde Ratlosigkeit.&#8220; So, oder so \u00e4hnlich lauteten die Kommentare der Zehntkl\u00e4ssler, die Anfang Mai im Rahmen einer obligatorischen Schulveranstaltung das Konzentrationslager Struthof bei Natzweiler s\u00fcdwestlich von Stra\u00dfburg besucht haben. Trauer, Wut, Ratlosigkeit, Ekel, Erschrecken bekundeten die Jugendlichen nach der Besichtigung.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[657],"tags":[],"class_list":["post-4215","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-657"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4215","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4215"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4215\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4215"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4215"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4215"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}