{"id":4212,"date":"2015-05-23T07:54:05","date_gmt":"2015-05-23T05:54:05","guid":{"rendered":"http:\/\/schulebza.de\/gymnasiumneu\/2015\/05\/23\/wer-seine-geschichte-nicht-kennt-bleibt-ewig-ein-kind\/"},"modified":"2015-05-23T07:54:05","modified_gmt":"2015-05-23T05:54:05","slug":"wer-seine-geschichte-nicht-kennt-bleibt-ewig-ein-kind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/2015\/05\/23\/wer-seine-geschichte-nicht-kennt-bleibt-ewig-ein-kind\/","title":{"rendered":"\u201eWer seine Geschichte nicht kennt, bleibt ewig ein Kind&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">\u201eHeute noch sind viele Menschen mit Schmerz erf\u00fcllt, wenn sie an den Denkm\u00e4lern auf unserem Marktplatz vorbeilaufen, da viele ihrer Familienangeh\u00f6rigen Opfer der Deportationen w\u00e4hrend des zweiten Weltkriegs wurden&#8220;, sagt der litauische Sch\u00fcler \u017dygimantas Marcinkus. Er ist einer der 25 G\u00e4ste aus Litauen, Polen, Norwegen und Frankreich. Gemeinsam mit etwa ebenso vielen deutschen Sch\u00fclern des Gymnasiums im Alfred-Grosser-Schulzentrum Bad Bergzabern haben sie zwei Jahre lang am Comenius-Projekt \u201eEurop\u00e4ische Erinnerungskulturen&#8220; teilgenommen. In der Abschlusswoche Mitte April trafen sich alle noch einmal in Bad Bergzabern. \u201eMan kann nichts \u00e4ndern, jedoch sollten auch die d\u00fcsteren Zeiten unserer gemeinsamen Geschichte nicht in Vergessenheit geraten, denn wer die Geschichte nicht kennt, bleibt ewig Kind&#8220;, erg\u00e4nzt Emil\u0117 Pasko\u010dimait\u0117, ebenfalls aus Vilnius in Litauen. Beide debattierten in der Kreisverwaltung S\u00fcdliche Weinstra\u00dfe gemeinsam mit zwei deutschen Sch\u00fclerinnen die Frage, ob auch politisch \u00fcberkommene Denkm\u00e4ler konserviert werden sollen.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Jede Nation hatte sich im Laufe des zweij\u00e4hrigen Projekts mit einem Teil ihrer Geschichte besch\u00e4ftigt. In Deutschland hatten die Sch\u00fcler zum Beispiel Ende 2013 Zeitzeugen zu den Umbr\u00fcchen 1945 und 1989 interviewt und die Ergebnisse in einem Buch zusammengestellt. In Frankreich ging es um 1945 und um den Algerienkrieg, in Norwegen um Immigrationsgeschichte und das Attentat von 2011 und in Litauen und Polen um den Umbruch 1989. Die Sch\u00fcler setzen sich schreibend, theaterspielend, filmend und k\u00fcnstlerisch damit auseinander, wo in der Geschichte ihres Landes Br\u00fcche waren und wie ihre jeweiligen Kulturen sich daran erinnern.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Dass Vorurteile sich nicht best\u00e4tigten, zog sich wie ein roter Faden durch das Projekt. Benedikt Gubisch (18) und Patrick Luber (17) erlebten das, als sie im Rahmen des Projekts nach Norwegen reisten. Dort sei von nordischer Reserviertheit \u00fcberhaupt nichts zu sp\u00fcren gewesen. \u201eWir haben dort offene und freundliche Menschen kennengelernt&#8220; erz\u00e4hlten sie. Sprache war dabei \u00fcberraschend h\u00e4ufig kein Hindernis: Die siebzehnj\u00e4hrige Marie Jobard aus Dijon zum Beispiel sprach nahezu akzentfreies Deutsch. Sie war ihrerseits \u00fcberrascht \u00fcber die hervorragenden Deutschkenntnisse der Sch\u00fcler aus Litauen und Polen. Die 17-j\u00e4hrige Irena aus Polen konnte ihre Sprachkenntnisse verbessern. \u201eMir macht das aktive Sprechen viel mehr Spa\u00df als das trockene Auswendiglernen in der Schule&#8220;, sagte sie. Ihre 18-j\u00e4hrige Freundin Kasia aus Polen schreibt f\u00fcr ihre Sch\u00fclerzeitung einen Artikel \u00fcber Deutschland.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Eine der beteiligten Lehrerinnen, Marit Berger aus Norwegen, sagte, das Comeniusprojekt trage zur V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung bei: \u201eMeine Sch\u00fcler konnten viel \u00fcber ihnen eher unbekannte Lehrer wie Polen und Litauen und deren Geschichte lernen und dadurch mit Vorurteilen aufr\u00e4umen.&#8220;<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Und wenn die Worte fehlten, zum Beispiel als die Sch\u00fcler Zeitzeugen \u00fcber ihre Erlebnisse im zweiten Weltkrieg befragten, \u201esprechen die Bilder&#8220;, sagte Kunstlehrerin Annet Wa\u00dfmer. Sie verarbeitete entsprechende Erfahrungen deshalb bildlich. Es wurde gestickt, fotografiert, gezeichnet und collagiert. Leitmotiv hierbei war stets die Selbstreflexion und das \u201eSich-in-die-Vergangenheit-Einf\u00fchlen-Wollen&#8220;. Hierbei beteiligten sich auch internationale K\u00fcnstler aus den jeweiligen L\u00e4ndern. Nikolaus Widerberg aus Norwegen stellte beispielsweise ein Gipsmodell seines Denkmals zur Verf\u00fcgung. Auch Kunstkurse der Oberstufe des Alfred-Grosser-Gymnasiums arbeiteten mit. \u201eWir haben uns, unter der Leitung von Kunstlehrerin&nbsp;Stefanie Tuschner, mit Verfolgten im Nationalsozialismus besch\u00e4ftigt. Hier stickten wir zum Beispiel Bilder dieser betroffener Menschen.&#8220;<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Kunst war nur eine der vielen Facetten dieses Projekts. W\u00e4hrend der Abschlusswoche gab es zum Beispiel noch einen Filmworkshop, in dem man mit dem Smartphone eigene Kurzfilme zusammenstellen konnte; unter der Leitung von Kunstlehrerin Stefanie Tuschner wurden improvisierte Pflastersteinpr\u00e4gungen von den Sch\u00fclern gestaltet.<\/p>\n<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler besuchten in der Abschlusswoche auch historische Orte: Speyerer Dom, Europaparlament, Hambacher Schloss und das ehemalige Konzentrationslager Osthofen bei Worms. Auf dem Hambacher Schloss posierten die Sch\u00fcler zum Beispiel in Kost\u00fcmen aus der Zeit des Hambacher Festes 1832. W\u00e4hrend es dort um Demokratie und Freiheit gegangen war, mussten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in Osthofen erfahren, dass die deutsche Geschichte auch dunkle Seiten hatte. Eine der betreuenden Lehrerinnen, Annette Kliewer, erz\u00e4hlte den Sch\u00fclern dort, dass es in diesem sogenannten \u201eUmerziehungslager&#8220; als besondere Foltermethode auch Fleisch zu essen gab \u2013 und zwar Schweinefleisch f\u00fcr die j\u00fcdischen H\u00e4ftlinge an deren Feiertagen. So sollte Neid und Streit zwischen den H\u00e4ftlingen provoziert werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-4211\" style=\"display: block; margin-left: auto; margin-right: auto;\" src=\"http:\/\/schulebza.de\/gymnasiumneu\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Comenius_Hambach.jpg\" alt=\"Comenius Hambach\" width=\"600\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Comenius_Hambach.jpg 640w, https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Comenius_Hambach-300x200.jpg 300w, https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Comenius_Hambach-570x380.jpg 570w, https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Comenius_Hambach-380x254.jpg 380w, https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Comenius_Hambach-285x190.jpg 285w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Mit der Gegenwart der europ\u00e4ischen Einigung besch\u00e4ftigten sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bei einem Besuch im europ\u00e4ischen Parlament in Stra\u00dfburg. Dort sagten alle, sie f\u00fchlten sich als Teil der europ\u00e4ischen Union und seien als junge Generation auch verantwortlich f\u00fcr die Zukunft der EU, so wie Louise-Ad\u00e9laide Boisnard aus Dijon in Frankreich. Das Reisen und die Kommunikation, auch mit Menschen aus anderen Kulturen&#8220; best\u00e4rkten sie darin, sp\u00e4ter einmal als Journalistin zu arbeiten. \u201eVor allem hatte ich hier die M\u00f6glichkeit, mal die polnische und litauische Kultur kennenzulernen&#8220;, sagte sie.<\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Comeniusprojekt<\/strong><\/div>\n<div style=\"text-align: justify;\">Das Projekt wurde von der Europ\u00e4ischen Union gef\u00f6rdert. Folgende Lehrer und Lehrerinnen des Gymnasiums Bad Bergzabern waren beteiligt: Annette Kliewer, Eleonore Beinghaus, Elke Neumann (die sogar bis \u00fcber ihre Pensionierung hinaus mitarbeitete), Stefan Bingler, Sascha M\u00fcller, Annett Wa\u00dfmer und Ralf Weiser. Sie trafen sich einmal im Monat in einer Arbeitsgemeinschaft mit 24 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern und investierten viel freie Zeit. <\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">VOL, 5\/15<\/p>\n<hr \/>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"text-align: justify;\">Zwei Jahre lang besch\u00e4ftigten sich rund 50 Sch\u00fcler aus Deutschland, Frankreich, Polen, Litauen und Norwegen mit ihrer Geschichte<\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[645],"tags":[],"class_list":["post-4212","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-comenius"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4212"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4212\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}