{"id":12598,"date":"2023-09-25T07:17:20","date_gmt":"2023-09-25T05:17:20","guid":{"rendered":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/?p=12598"},"modified":"2023-09-25T15:01:05","modified_gmt":"2023-09-25T13:01:05","slug":"schuelerinnen-des-ethik-kurses-11-nehmen-an-einer-gedenkveranstaltung-in-klingenmuenster-teil-ein-bericht-von-alison-ulm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/2023\/09\/25\/schuelerinnen-des-ethik-kurses-11-nehmen-an-einer-gedenkveranstaltung-in-klingenmuenster-teil-ein-bericht-von-alison-ulm\/","title":{"rendered":"Sch\u00fcler*innen des Ethik-Kurses 11 nehmen an einer Gedenkveranstaltung in Klingenm\u00fcnster teil (Ein Bericht von Alison Ulm)"},"content":{"rendered":"<div class=\"postie-post\">\n<div class=\"postie-attachments\"><a href=\"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/?attachment_id=12599#main\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12599 alignleft\" src=\"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Gedenkfeier-in-Klingenmuenster-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225px\" height=\"300px\" srcset=\"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Gedenkfeier-in-Klingenmuenster-225x300.jpg 225w, https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Gedenkfeier-in-Klingenmuenster-768x1024.jpg 768w, https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Gedenkfeier-in-Klingenmuenster-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Gedenkfeier-in-Klingenmuenster.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>Am Sonntag, den 10.09.2023 fand im Pfalzklinikum in Klingenm\u00fcnster ein Gedenktag an die damalige Evakuierung der Heil- und Pflegeanstalt Klingenm\u00fcnster statt, welche sich am 10.09.1939 ereignete.<\/p>\n<p>Bei meiner Ankunft wurde ich freundlich in Empfang genommen. Anschlie\u00dfend gab es eine kurze Ansprache, in der wir begr\u00fc\u00dft und \u00fcber die Themen sowie den Ablauf der Veranstaltung informiert wurden. Danach folgte eine Gedenkzeit, die 2 Minuten und 23 Sekunden andauerte. W\u00e4hrend dieser Zeit schwiegen wir f\u00fcr die 223 Menschen, die damals im Zuge der Evakuierung in T\u00f6tungsanstalten ermordet wurden.<\/p>\n<p>Klingenm\u00fcnster lag in der \u201eRoten Zone\u201c, die in der N\u00e4he der franz\u00f6sischen Grenze lag. Alle Menschen aus dieser Zone mussten nach Beginn des Krieges nach Bayern transportiert werden, auch die aus der Klinik. Am Morgen des 10.09.1939, erfolgte telefonisch die Ank\u00fcndigung der R\u00e4umung beim Verwaltungsleiter. Einige Stunden sp\u00e4ter wurde der R\u00e4umungsbefehl offiziell bekanntgegeben. Die Patienten sollten auf 13 bayrische Heil- und Pflegeanstalten verteilt werden. Gegen Mittag trafen schlie\u00dflich zwei Sonderz\u00fcge ein, die die Patienten nach Bayern transportieren sollten. Die Sonderz\u00fcge stellten sich jedoch als Viehwagons heraus. Bis zum Abend musste die R\u00e4umung vollst\u00e4ndig vollzogen sein. F\u00fcr das Zusammenpacken von Kleidung und anderen Habseligkeiten blieb daher nur wenig Zeit. Die 1.251 Patienten mussten den Weg zum Bahnhof zu Fu\u00df auf sich nehmen. Beim Einstieg brach bei vielen Panik aus, es wurden mehrere Fluchtversuche unternommen, bis einige mit Spritzen ruhiggestellt wurden. 223 Menschen kamen in den bayrischen Einrichtungen durch Euthanasie zu Tode. Etwa 1.700 weitere starben in Klingenm\u00fcnster durch gezielten Nahrungsentzug, unterlassene Hilfeleistung und \u00dcberdosierungen ihrer Medikamente.<\/p>\n<p>Nachdem wir die erschreckenden Einstiegsworte auf uns wirken lie\u00dfen, folgte ich den anderen Besuchern in die Klinikkirche, welche dem Anlass entsprechend dekoriert war. Dort begann die Vorlesung zun\u00e4chst mit einer Original-Radioansprache von Arthur Julius G\u00fctt, welche uns einen guten Einstieg ins Thema lieferte. G\u00fctt war ein deutscher Arzt, Eugeniker und SS-Brigadef\u00fchrer. In seiner Ansprache berichtete er von der Gefahr des zunehmenden Geburtenr\u00fcckgangs und der Verschlechterung des Erbgutes des Volkes, wogegen seit der Machtergreifung Hitlers reagiert werde. In den Vordergrund stellte er das Mitleid, da jede im Gesetz aufgef\u00fchrte Krankheit ein unendliches Leid f\u00fcr den Patienten und die Angeh\u00f6rigen bedeute. Die einzige L\u00f6sung sei also die \u201eEuthanasie\u201c, also die T\u00f6tung erbkranken Lebens. Ziel sei die Gesundung des Volkes, das T\u00f6ten von Behinderten sei demnach eine bev\u00f6lkerungspolitische Ma\u00dfnahme zum Segen des Volkes.<\/p>\n<p>Im Anschluss begann eine Lesung, in der Alfons Ludwig Ims uns aus seinem Buch \u201eEine &#8218;asoziale&#8216; Pf\u00e4lzer-Familie\u201c seine eigene Familie pr\u00e4sentierte. Er stellt den tragischen Abstieg einer Pf\u00e4lzer Gro\u00dffamilie dar, der damit endete, dass seine Halbgeschwister nach Klingenm\u00fcnster transportiert wurden, weil sie als \u201eerbkrank\u201c bezeichnet wurden. Die Politik der Nazis vermischte klassistisches Denken und Rassenhygiene: Wer arm war, konnte auch als \u201ekrank\u201c angesehen werden. Damals wurden unter den \u201eAsozialen\u201c als gemeinschaftsst\u00f6rende, verwahrloste Individuen verstanden, die eine Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft darstellten. Menschen, die so bezeichnet wurden, bekamen keine Hilfe vom Staat, sie wurden als \u201eerbkrank\u201c in Heime gebracht, in Konzentrationslager gesteckt oder zwangssterilisiert. Genau das passierte mit der ersten Frau seines Vaters und seinen Halbgeschwistern, weil die Familie mit der Erziehung und Pflege der Kinder \u00fcberfordert war. Der Vater galt als ehemaliger \u201epf\u00e4lzischer Separatist\u201c als unzuverl\u00e4ssig, der Frau wurde vorgeworfen, dass sie eine schlechte Hausfrau war. Als die Familie sieben Kinder bekam, wurden sie nicht als \u201ekinderreiche Familie\u201c ausgezeichnet, sondern als \u201easoziale Familie\u201c wahrgenommen, weil sie nicht \u201eerbt\u00fcchtig\u201c waren. Die Kinder wurden in verschiedene Heime gegeben, nur durch Gl\u00fcck entgingen sie der Euthanasie in Klingenm\u00fcnster. 1943 verstarb die erste Frau, der Vater von Ims heiratete daraufhin noch einmal und bekam noch einmal zwei Kinder von seiner zweiten Frau, u.a. Alfons Ludwig Ims. Seine Mutter bem\u00fchte sich nach dem Krieg vergeblich, alle Kinder aus der ersten Ehe wieder aus den Heimen zur\u00fcckzuholen.<\/p>\n<p>Der Autor geh\u00f6rt zu den Mit-Initiatoren eines Verbands zur Erinnerung an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus (<a href=\"https:\/\/www.die-verleugneten.de\/\">https:\/\/www.die-verleugneten.de\/<\/a>). Die Diskussion im Anschluss an die Lesung zeigte: \u201eEs gibt keine Gegenwart ohne Vergangenheit\u201c. Die Zuh\u00f6renden hatten die M\u00f6glichkeit, bei einem gemeinsamen Mittagessen \u00fcber das Geh\u00f6rte nachzudenken.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, den 10.09.2023 fand im Pfalzklinikum in Klingenm\u00fcnster ein Gedenktag an die damalige Evakuierung der Heil- und Pflegeanstalt Klingenm\u00fcnster statt, welche sich am 10.09.1939 ereignete. Bei meiner Ankunft wurde ich freundlich in Empfang genommen. Anschlie\u00dfend gab es eine kurze Ansprache, in der wir begr\u00fc\u00dft und \u00fcber die Themen sowie den Ablauf der Veranstaltung informiert&#8230;<\/p>\n<p class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/2023\/09\/25\/schuelerinnen-des-ethik-kurses-11-nehmen-an-einer-gedenkveranstaltung-in-klingenmuenster-teil-ein-bericht-von-alison-ulm\/\" class=\"\"><span>Weiterlesen<\/span><i>&#43;<\/i><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-12598","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12598","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12598"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12598\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12603,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12598\/revisions\/12603"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schulebza.de\/gymnasium\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}